Temps de Flors
Jeden Mai verwandelt sich das Barri Vell von Girona in einen vergänglichen Garten: Der Temps de Flors füllt mehr als 100 Räume der mittelalterlichen Altstadt – Kathedrale, arabische Bäder, private Innenhöfe, die sonst das ganze Jahr geschlossen sind – mit rund 140 Blumeninstallationen. Neun Tage, freier Eintritt und über 400.000 Besucher bei der letzten Ausgabe.
Siebzig Jahre Blumen zwischen altem Gestein
Begonnen hat alles nicht als großes Festival, sondern als bescheidener Blumenwettbewerb im Jahr 1954, aufgebaut im Saló de Descans des Teatre Municipal von einer Gruppe Gironesischer Frauen um Maria Cobarsí, zusammen mit dem Arzt Miquel Oliva und Josep Tarrés. Es funktionierte – also blieb es. 1958 zog es in das romanische Kloster Sant Pere de Galligants um, 1985 in das Konvent Sant Domènec, und 1992 übernahm das Rathaus die Organisation und weitete es auf das gesamte Barri Vell aus – der entscheidende Schritt, der das Festival zu dem machte, was es heute ist. Den Namen 'Girona, Temps de Flors' prägte der Dichter Josep Tarrés 1993. Es findet im Mai statt, aus rein saisonalen Gründen: Das ist der Moment der größten Blütenfülle auf den katalanischen Feldern. Verwechsle es nicht mit Corpus Christi oder Sant Jordi – keine offizielle Quelle verbindet es mit einem religiösen Fest, auch wenn das viele annehmen.
Rund 150 Installationen durch die gesamte mittelalterliche Altstadt
Das übliche Format umfasst rund 140 bis 150 Blumeninstallationen, verteilt auf mehr als 100 Orte im Barri Vell, über neun Tage (zwei vollständige Wochenenden) Mitte Mai. Geschaffen werden sie von Blumenkünstlern, Schulen, Kulturvereinen und Nachbarschaftsgruppen, die wochenlang Naturblumen, Trockenblumen, Recyclingmaterialien und verschiedene Elemente kombinieren, um mit der jeweiligen Architektur in Dialog zu treten. Das Besondere: Innenhöfe und Gärten der Altstadt, die sonst das ganze Jahr geschlossen sind, öffnen ihre Türen. Zu sehen sind Arrangements auf der Freitreppe der Kathedrale, in den Banys Àrabs, im Kloster Sant Daniel, auf dem Passeig Arqueològic entlang der Stadtmauern, am Torre Gironella und in den Gassen des Call Jueu. Der Eintritt ist überall kostenlos. Tipp: Lade den offiziellen Stadtplan herunter und setz Prioritäten – wer versucht, alles an einem Tag zu sehen, endet erschöpft und gehetzt. Besser drei oder vier Bereiche auswählen und diese in Ruhe erkunden.
Das meistfotografierte Event Kataloniens
Der Grund ist einfach: Blumen und mittelalterliches Gestein zusammen ergeben eine der stärksten visuellen Kombinationen überhaupt. Der nächtliche Rundgang, bei dem beleuchtete Denkmäler mit Blumen bedeckt sind, erzeugt eine Atmosphäre, die viele als fast surrealistisch beschreiben – und ist das am häufigsten geteilte Bildmaterial des Jahres in Katalonien. Der offizielle Account @tempsdeflors auf Instagram hat über 15.000 Follower, und auf Pinterest gibt es ganze Pinnwände, die dem Festival gewidmet sind. Die Kehrseite dieser Popularität ist die Masse: Die letzte Ausgabe überstieg 400.000 Besucher – historischer Rekord – und sieben von zehn Auswärtigen sind Katalanen, viele aus Barcelona. Praktisch bedeutet das: Die fotogensten Ecken – die Freitreppe der Kathedrale, der Call Jueu – sind voll, und ein Foto ohne Menschen am Samstagvormittag ist nahezu unmöglich. Wer für die Fotos kommt, sollte bei Sonnenaufgang oder in den letzten Abendstunden gehen. Das Abendlicht auf dem alten Stein ist ohnehin viel schöner.
Anreise und Warteschlangen vermeiden
Von Barcelona aus geht es am schnellsten mit dem Hochgeschwindigkeitszug: AVE oder AVANT ab Sants in rund 38 bis 39 Minuten, mit mehr als zwanzig täglichen Abfahrten. Das AVANT-Ticket ist günstiger als der AVE im selben Zug – also zuerst danach schauen. Die günstige Alternative ist der Rodalies R11, rund 81 Minuten. Aufs Auto besser verzichten: Das Barri Vell ist Fußgängerzone, und während des Festivals ist die Parkplatzsuche ein Albtraum. Der entscheidende Hinweis betrifft die Uhrzeit. An den Wochenenden herrscht Chaos; unter der Woche ist deutlich weniger los. Wer nur samstags kommen kann, sollte kurz nach der Öffnung ankommen (gegen 9:30 Uhr) oder ab 18:00 Uhr gehen – die Organisation fördert das sogenannte 'vesprejar', den Besuch in der Abenddämmerung, als Ausweg aus den Stoßzeiten. Es gibt kostenpflichtige Führungen mit offiziellem Stadtführer; Preis, Termine und Buchung auf der offiziellen Website, da die Plätze begrenzt sind.
Häufige Fragen
Was kostet der Eintritt zum Temps de Flors?
Wann findet das Festival statt und wie lange dauert es?
Wie vermeide ich die großen Menschenmassen?
Wie reise ich von Barcelona an?
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